von Karin Simke

So ist das bei uns jedes Jahr. Kaum steigt die Sonne etwas höher über den Horizont und die Quecksilbersäule klettert über den Gefrierpunkt, kaum nähert sich das Jagdjahr dem Ende entgegen (31.03.), da reifen neue Ideen für Paddeltouren und natürlich für die Sommerurlaubsplanung. Die Himmelsrichtung muss bei uns nicht in Frage gestellt werden, da kommt nur der Norden in Betracht. Seit ich Peter kenne bin ich nordisch infiziert. Im letzten Sommer hatte ich ein kleines Jubiläum, den 10ten Schwedenurlaub. Da es unseren Teamleader ausschließlich in die Einsamkeit unendlicher Wälder und Fjällandschaften mit wilden Flüssen, Bergseen und Rentierherden zieht, müssen kulturelle Höhepunkte, wie der Stockholmbesuch im vergangenen Jahr, mit guten Argumenten und demokratischem Mehrheitsbeschluss erkämpft werden.
2Wir planen unseren Urlaubsaufenthalt in Skandinavien etwa zu 80% im Voraus. Der Rest wird ganz spontan vor Ort entschieden.Für unsere Nordlandreisen haben wir mit den Jahren schon eine ansehnliche Campingausrüstung angeschafft. In Schweden hat das Campen einen großen Vorteil: man kann sein Zelt an beliebiger Stelle, am See, im Wald, in den Bergen, usw. aufbauen. Natürlich gibt es einige Ausnahmen, wie z.B. umfriedete Grundstücke. Ein Campingplatz ist jedenfalls nicht erforderlich. Herrliche Ruhe, im Einklang mit der Natur leben, das ist Balsam für die Seele!!!
Unser Familienzelt hat schon an vielen idyllischen Plätzen gestanden.. Für unsere „Mannschaft“ hat es genau die richtige Größe: zwei Schlafkabinen, einen breiten Mittelgang und einen kleinen Erker. Da kann Petrus auch mal einen Schauer übers Land schicken! Auch das Auf- und Abbauen unseres Camps ist inzwischen kein Problem mehr, da sind wir ein fast perfektes Team. Einige Eckdaten stehen für den kommenden Sommer schon fest. Auf jeden Fall wollen wir in diesem Jahr mal wieder einige Tage ins fantastische norwegische Fjordland fahren. Und natürlich steht auch wieder das schwedische wildromantische, rauhe Härjedalen auf der Wunschliste.
5Auf dem Weg zu diesen Urlaubszielen bauen wir aber ganz sicher in einem Gebiet unser Camp auf, das schon oft erste Urlaubsstation auf unseren Nordlandreisen war. Es ist eine herrlich liebliche Landschaft: das „Glaskogen Naturreservat“. Wenn wir hier ankommen sind wir bereits 1000 km von zu Hause entfernt. Da wir aber schon so oft hier waren und es uns hier so gut gefällt, dass die Sehnsucht übers Jahr wirklich groß ist, haben wir jedes Mal wieder das Gefühl, endlich zu Hause angekommen zu sein.
Das „Glaskogen Naturreservat“ liegt im Westen der wald- und seenreichen Provinz Värmland. Es hat im „geschützten Kern“ eine Fläche von ca. 28000ha. Die Landschaft ist stark hügelig. Neben vielen kleinen Seen und Wasserläufen dominieren die beiden großen Seen Stora Gla und Övre Gla. Im Herzen von Glaskogen liegt Lennungshammer, ein Dorf mitten im Wald mit etwa 30 Einwohnern. Hier befindet sich auch ein Campingplatz.
Dieser Ort ist für uns „Wildnisfreaks“ immer mal wieder Anlaufpunkt, um den Frischwasservorrat aufzufüllen, die Waschmaschine zu nutzen, eine Toilette mit Spülung (!) oder einfach eine warme Dusche zu genießen.
Der Glaskogen ist ein Paradies für Wanderer, Angler und Paddler. An mehreren kleinen Seen haben wir hier in den vergangenen Jahren schon unser Lager aufgeschlagen. Gefallen hat es uns überall und viele schöne Stellen warten sicher noch darauf, erkundet zu werden. So gibt es in jedem Jahr das gleiche vor-Ort-Problem: 
Neuer Urlaub – alter Stellplatz?
1Im vorigen Jahr hatten wir einen besonders schönen Stellplatz für unser Camp. Wir haben ihn  bei einer Paddeltour im Jahr zuvor entdeckt. Eine Wetterschutzhütte mit Feuerstelle inmitten eines „Blaubeerfeldes“ und direkt am See. Dahinter bewaldetes ansteigendes Gelände. Außerdem ein Sandstrand (sehr selten!) und weit und breit keine Menschenseele. Mit einem Elch kann man allerdings durchaus rechnen.
Und wie beginnt man einen Tag an einem so schönen Fleckchen Erde? Mit einem duftenden Kaffee nach einem erfrischenden Bad im See. Gekocht wird bei uns seit einiger Zeit auf dem Multistove. Er ist über dem Gaskocher leicht auf- und abzubauen, ist gut zu verstauen und nimmt sehr wenig Platz im Gepäck weg. Topf oder Pfanne stehen nicht mehr direkt auf dem Gaskocher, sondern endlich sicher und fest. Gleichzeitig bietet der Multistove einen guten Windschutz beim Kochen und kann zusätzlich sowohl als Grill sowie mit zwei Reflektorblechen als Backofen genutzt werden. Unser Paddelfreund Frank hat das super Ding konstruiert und gebaut. Eine echte Empfehlung.
Der Tag im Glaskogen bietet viele Betätigungsmöglichkeiten. Oft wandern wir und genießen die herrliche Landschaft. 3Immer dabei ist unser Rauhaardackel Dark. Er wird in einem geräumigen alten schwedischen Wanderrucksack über weite Strecken getragen. Auf dem Rucksack sind mehrere Souvenir-Aufnäher des Vorbesitzers. Sie wecken bei uns Erinnerungen, da wir selbst schon an einigen dieser Plätze waren. Dieser alte breite Rucksack, den wir auf einem Markt für umgerechnet 5 Euro erstanden haben, besteht aus derbem Leinenstoff. Er hat ein tragefreundliches Leichtmetallgestell und Lederpolster unter den Schultern. Schuster und Waschmaschine haben ihn wieder flott gemacht. Auf weiten Wanderungen und in der Stadt werden seine alten Bandscheiben auf diese Weise geschont. Vielleicht ist das eine Idee, wenn einer von euch ähnliche Probleme hat.
Im Glaskogen gibt es viele Pilze. Steinpilze in Riesengröße (ehrlich!) aber auch Pfifferlinge, die in Germany schon eher selten sind, warten darauf gesammelt zu werden und in der Pfanne zu brutzeln. Sie sind eine willkommene Abwechslung auf dem Outdoor-Speiseplan .
Eine weitere willkommene Abwechslung sind gebratene frische Fische. Auch das Angeln in Schweden ist nicht so progoing fishingblematisch wie in Deutschland. Man kauft eine Angelkarte und los geht`s. Kinder angeln frei. Manch schmackhaftes Abendbrot haben uns unsere Kinder (besonders Richard) schon preiswert auf den Campingtisch beschert. Hecht, Zander, Forelle, Barsch, sind nur Beispiele für den frischen Schwedenfisch. Die meisten Fische wurden durch das so genannte Schleppen gefangen. Im vorigen Jahr habe ich mit Peter vom Kanu aus etwa eine halbe Stunde mit einem über 1m langen Hecht gekämpft (kein Anglerlatein!). Leider war unser Köcher zu klein und die Angelsehne offensichtlich zu dünn. Am Ende ist sie gerissen und der Hecht hat sich davon gemacht.
Der Kanadier wird inzwischen auch von den Kindern gerne genutzt. Ob einfach nur zum paddeln, zum angeln oder um andere Ufer zu erkunden. Sie sind einzeln oder gemeinsam gern damit unterwegs. Richard ist allein im Boot schon sehr sicher. Julia ist noch in der Lernphase. Immerhin ist es nicht so einfach den so genannten J-Schlag zu beherrschen, der den Kanadier in gerader Spur hält, ohne mit dem Paddel die Seite zu wechseln. Kajakfahrer mit ihrem Doppelpaddel haben es leichter. Kanadier fahren kann eben nicht jeder!
Das Highlight jedes Abends ist die Gemütlichkeit am Lagerfeuer. Welch Magie steckt doch in lodernden Flammen. Gut gewappnet gegen die aufkommende Kühle der Nacht wird der Tag ausgewertet, geschnitzt, Karten gespielt und nachgeholt was im Alltagsstress zu Hause oft viel zu kurz kommt: reden, erzählen, träumen, Pläne schmieden…
6Lecker ist auch immer wieder der über dem Feuer am Stock knusprig gebackene Brotteig. Die Kinder sagen Stockbrot dazu. Hierfür nehme ich aus der Heimat einige Tüten Brotteig mit, der nur noch mit Wasser angemacht und in der Tageswärme unter einem Geschirrtuch „gehen“ muss. Auf einem Campingplatz kann man so auch im Herd ein leckeres Brot backen. Das Schwedenbrot entspricht meist nicht unseren Gaumenwünschen.Es ist in der Regel zu lieblich und luftig.
Am Rande des Glaskogens liegen die beiden Städtchen Årjäng und Arvika. Die Kinder sind nach mehreren Tagen in der Wildnis für Ausflüge dorthin leicht zu begeistern. Schließlich bekommen sie erfahrungsgemäß nach dem Besuch einiger touristischer Attraktionen ein paar Scheine Kronen in die Hand gedrückt und dürfen selbständig auf „Souvenierjagd“  gehen.  Das Geld setzen sie inzwischen überwiegend sinnvoll um. Super teure Ersatzschläuche fürs Fahrrad aus Norwegen und ähnliche Überraschungen gehören in die Schmunzelecke vergangener Ferienerlebnisse.
Vom Glaskogen aus kann man einen Tagesausflug in die norwegische Hauptstadt starten. In einer guten Stunde ist Oslo über die E 18 erreichbar. Achtung!: Es gibt einige gebührenpflichtige Straßenabschnitte und mehrere Flitzer-Blitzer! Das knappe Fazit unserer Kinder zum Hauptstadtflair: Oslo gefällt ihnen besser als Stockholm.
Aber das ist schon die nächste Geschichte.

(Touren)