Es ist doch komisch welch zwiespältiges Verhältnis Menschen zu Wölfen haben können. Obwohl der Hund des Menschen bester Freund ist und dieser, wenn auch bei einigen Rassen kaum noch nachvollziehbar, vom Wolf abstammt. Das Thema „Wolf“ ist wieder mehr ins aktuelle Blickfeld gerückt, nicht wegen einer Renaissance von „Rotkäppchen“ und den „Sieben Geißlein“, sondern wegen der Rückkehr der Wölfe nach Deutschland, die Ende der 90-er Jahre begonnen hat. Im Norden Sachsens und in Brandenburg gibt es mehrere Wolfsrudel. Und von dort gehen die Wölfe nun auf der Suche nach neuen Revieren in Deutschland auf Wanderschaft.
Sind Wölfe nicht faszinierende Tiere? Ihr ausgeprägtes Sozialverhalten schafft Strukturen und Ordnung im Rudel. Beutetiere können weitaus größer sein als sie selbst und das funktioniert nur durch ein kooperatives und koordiniertes Vorgehen bei der Jagd.
In den 50-iger Jahren wird der Biologe Farley Mowat im Auftrag der Regierung in den Norden Kanadas ausgesandt. Dort soll er Untersuchungen zum Einfluss des Wolfes auf die Karibubestände durchführen. Aber eigentlich ist bei den „homo bürokratis“ das Untersuchungsergebnis schon vorgefasst: ‚Die Wölfe sind am zahlenmäßigen Rückgang der Karibus schuld’.
Auf abenteuerliche Weise gelangt Mowat in eine abgeschiedene Region im Norden. Ihm gelingt die Nähe zu einem kleinen Wolfsrudel und er kann deren Sozialverhalten und Ernährungsweisen studieren. Dabei verschaffen ihm die Wölfe ungeahnte Einblicke in das Rudelleben, so manche Überraschung und inspirieren ihn zu einem Selbstversuch. In der Wildnis lernt Farley Mowat die Inuit’s Mike und Ootek kennen. Vor allem Ootek führt ihn in die „Geheimnisse“ des Nordens und der Wölfe ein. Die Inuit’s bewerten das für sie eigentümliche Verhalten von Mowat aber auch kopfschüttelnd sowie mit Argwohn.
Farley Mowat hat seine Begegnungen in amüsanter, bildhafter Sprache verfasst, die beim Lesen zu zahlreichen Schmunzeleinlagen führt.

„Ein Sommer mit Wölfen“ von Farley Mowat, Rowohlt Taschenbuchverlag,
ISBN 3 499 23763 6

Unbedingt möchte ich den Film zum Buch empfehlen. „Wenn die Wölfe heulen“ (Originaltitel: Never Cry Wolf) ist eine Walt Disney Produktion. Die Landschafts- und Tieraufnahmen sowie die teilweise selbstanalytischen und selbstironischen Monologe machen ihn zu einen meiner Lieblingsfilme. Der Hauptdarsteller erfährt im Film eine Metamorphose vom kontaktscheuen und in Sachen Survival unerfahrenen Zivilisationsmenschen zum selbstbewussten „Northtrailer“.

Viele Wolfsbegegnungen!

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