Herrlich, der Himmel strahlt in Schwedischem Blau, die Baumkronen des Nadelwaldes am Horizont bilden dazu einen schönen Kontrast und die warmen Temperaturen, na die haben wir uns nun auch endlich verdient. Auf der spiegelglatten Wasserfläche zieht unser Kanu, mit dem Gepäck für 4 – 5 Paddeltage beladen, ruhig seine Bahn. Es wirkt schon fast etwas kitschig oder nein, es ist eine eher romantische Atmosphäre. So wie es sich wohl alle Paddler vorstellen und wünschen.

Aber erstmal eine kleine Urlaubsrückblende:

Seit gut zweieinhalb Wochen sind wir im Norden unterwegs. Zunächst ging es rauf nach Schwedisch Lappland. Mit Rucksack und Zelt wanderten wir 6 Tage durchs Fjäll. Die vielen Auf- und Abstiege haben uns dabei wieder so richtig fit gemacht. Ganz zu schweigen von den vielen kleinen und großen Episoden, die wir auf dieser Tour erlebten. Das Wetter zeigte sich dabei jedoch eher von seiner launischen Seite. THORAGALLES , der samische Donnergott, sparte nicht mit Nassem von oben. Aber auch die 10 Stunden heftigsten Dauerregen auf 800 m im Sarek Nationalpark haben wir im Zelt gut gemeistert. Für kommende Touren hat uns das nur gestählt. Nach dem Motto „Was uns nicht umbringt …“. Na, ihr wisst schon was ich meine.


mit Rucksack, Zelt und Hund durchs lappländische Fjäll

 


Nammatj (Nammásj), der heilige Berg der Samis im Rappadalen/Sarek

Nach kurzer Aklimatisierungsphase am Polarkreis, bei doch recht schönem Wetter, ging es in Richtung Süden nach Dalarna, dem „Herz“ Schwedens. Im Grövelsjön Gebiet sollte unsere diesjährige Schweden-Paddeltour starten. Der Einfluss von THORAGALLES ist hier zwar nicht mehr so groß, dennoch möchte ich den Zustand des Wetters mit zwei Worten auf den Punkt bringen: „Regen, kalt“! Also für eine entspannte Urlaubs-Kanu-Tour nicht so nette Bedingungen. Die Mittelfristprognose stimmte uns ebenfalls nicht zu berechtigter Hoffnung. Was macht man da? Genau, das Beste draus! Das heißt, Nerven behalten und flexibel bleiben. Wir entschieden uns erstmal aus der derzeit ungastlichen Fjällregion weiter ins südlichere Värmland aufzubrechen. Diese Paddeltour lässt sich auch noch auf einer der kommenden Reisen nachholen.
Im Glaskogen Naturreservat angekommen, richteten wir uns erstmal ein Camp für einige Tage ein. Mit Pilze sammeln, angeln, Lagerfeuer, Kåta heizen und sonstiger Nordlandromantik verbrachten wir 4 schöne Tage.

Camp im Glaskogen

Und siehe da, mit einer Schönwetterprognose wurde unsere Geduld belohnt. Für diesen Fall gab es natürlich bereits einen Plan. Gar nicht so weit weg in süd-westlicher Richtung liegt das Kornseen - Gebiet, das wir bereits vor 2 Jahren vor hatten zu erkunden, die Tour aber damals wegen ziemlich windigen Wetters abbrachen.
Nach dem immer wieder mühseligen und zeitraubenden Auseinandersortieren der Klamotten für die Tour, brechen wir an einem schönen Sommertag Anfang August zu unserem Kanuabenteuer auf.


packen und beladen am Kornsjö-Kiosk

Die drei Kornseen (schwed. Kornsjöarna) liegen eingebettet in einer hügligen Landschaft mit Wald als vorherrschender Vegetationsform. Die Nord-Süd-Ausdehnung der Seenkette beträgt 22 km. Norra, Mellan und Södra Kornsjön sind mit unzähligen zum Teil schmalen Buchten, Landzungen und Inseln stark zergliedert, wodurch eine enorm lange Uferlinie entsteht und keine so großen offenen Wasserflächen vorhanden sind. Die schwedischen Landschaften Bohuslän, Dalsland und die norwegische Provinz Østfold fylke teilen sich die im Grenzland liegenden Seen. Ein abwechslungsreiches Kanurevier, etwas Abseits touristisch stärker frequentierter Regionen in der Nachbarschaft, das sich für mehrtägige Touren anbietet.

 

Tourenkarte

 

 

 


Aufbruch zu neuen Abenteuern

Der Norra Kornsjön, auf dem wir die Tour mit der Suche nach einem schön gelegenen Platz für unser erstes Camp beginnen, ist durch einen ca. 1 km schmalen Abschnitt am norwegischen Örtchen Kornsjö so zerteilt, dass man diesen auch für zwei separate Seen halten könnte. Am äußersten nordöstlichen Ende finden wir auf einer kleinen Landzunge mit felsigem Ufer ein nettes Plätzchen. Bei Sonnenuntergang leuchtet der Rotwein in unseren Gläsern in einem besonders warmen Farbton.


Camp am Norra Kornsjöm

Die Gegend ist hier wildreicher als in Nordschweden, wo wir her gekommen sind. In der Nacht macht unsere Laika-Hündin Dascha ein paar Mal Rabatz, weil sich in Zeltnähe etwas regt.
Am Morgen begrüßen uns Kanadagänse mit ihrem lauthalsen Rufen, das Kilometer weit über die Seenlandschaft erklingt. Diese ursprünglich, wie der Name schon hinweist, aus Nordamerika stammende Gans wurde in den 1930er Jahren in Ostschweden ausgesetzt. Mittlerweile geht man von 10.000 Brutpaaren in Skandinavien aus. Bei den Kanadagänsen handelt es sich um sogenannte unproblematische Neozoen, dies sind etwa ab dem Jahre 1500 eingewanderte Tierarten, die keinen nennenswert negativen Einfluss im Ökosystem verursachen.


Kanadagänse drehen ihre Morgenrunde

Ein spiegelglatter See und blauer Himmel stellen wieder einen schönen Tag in Aussicht. Wir erkunden weiter den oberen Teil des Norra Kornsjön, gehen Baden und genießen die warmen Sonnenstrahlen, die wir in den zurückliegenden Tagen entbehren mussten. Gegen Mittag gelangen wir in den unteren Teil des Norra Kornsjön. Bis dahin sind uns ein norwegisches Paddlerpärchen und drei, vier Motorboote begegnet. Allerdings war auch ein „Motorboot Al Stupido“ von der Sorte, die man auch auf hiesigen Gewässern antrifft, dabei.
Hier und da steht eine Stuga (Ferienhaus), wie auch auf dem nördlichen Seeteil, am Ufer. Etwas merkwürdig erscheinen uns die unübersehbaren Metallschilder, die selbst auf kleinen Inselchen stehen, mit denen der Hinweis erfolgt, ob man sich gerade in „Sverige“ oder in „Norge“ befindet.

Auf dem mit Kiefernwald bestandenen und mit zwei Minisandstränden ausgestatteten Eiland „Lammön“ (die Lamminsel) errichten wir unser zweites Lager. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit fiel unsere Wahl für eine geeignete Zeltunterkunft dieses Mal auf das kleine Tunnelzelt. Hätten wir unsere komfortable Zeltkåta dabei, würde sich die Campsuche viel zeitaufwendiger gestalten, denn eine Stellfläche für ein so großes Zelt muss man hier erstmal finden und viele schöne Lagerplätze kämen aus Platzmangel gar nicht erst in Betracht.

 


„Urlaub ist einfach Spitze!“

 

Da wir nun auf einer Insel lagern, kann unsere Dascha unangeleint ihr Reich nach Herzenslust erforschen. Das ist für sie eine echte „Lebensraumvergrößerung“ und für uns ein Entlastung.
Je nach Sonnenstand können wir entscheiden, ob der Sandstrand mit Südlage oder der mit Westlage, der angenehmere Aufenthaltsort ist.

 

Im Dialog zweier gereifter Philosophen über „Gott und die Welt“, der durch einen herrlichen Sonnenuntergang, Lagerfeuer im Künzi-Ofen und Rotweingenuss enorm beflügelt wird, lassen wir den Paddeltag ausklingen. Ach ja …!


Künzi-Lagerfeueratmosphäre am Norra Kornsjön

Der etwa anderthalb Kilometer lange Noraneälven stellt die Verbindung zum Mellan Kornsjön dar. Versteckt im Schilfgürtel müssen wir das Flüsschen am Vormittag des dritten Paddeltages erstmal suchen. In der Vergangenheit wurde der Noraneälven immer mal wieder in mühseliger Handarbeit so vergrößert, dass er auch für etwas größere Wasserfahrzeuge schiffbar werden sollte. Aber gegenwärtig können die Seenverbindung allenfalls kleine Motorboote befahren. Große Motorboote oder gar Yachten sind auf den Kornseen ohne hin nicht anzutreffen.


Suche nach der Zufahrt zum Noraneälven

 


der Noraneälven verbindet den Norra mit dem Mellan Kornsjön

Mit einer Länge von ca. 7 km ist der Mellan Kornsjön der kleinste der drei Seen. Am nördlichen Westufer tangiert der Wanderweg „Bohusleden“ das Seeufer. Dort und auf der Insel „Stora Lövön“ in Seemitte befinden sich jeweils ein Windschutz mit Feuerstelle und Plumpsklo.

 


Dieser Windschutz am Mellan Kornsjön gehört zum Wanderweg „Bohusleden“.



Paddel-Traumwetter

 

Unser paradiesisch gelegenes Camp auf Lammön wollten wir auf Grund der geschilderten Umstände nicht aufgeben, deshalb konnten wir den Mellan Kornsjön auch mit Tagestourengepäck entdecken und Zelt sowie Entbehrliches dort auf der Insel zurücklassen. Jedoch müssen wir dafür die ganze Strecke zu unserer Insel wieder retour paddeln.
Natürlich gehört zu so einer Tour auch, dass man die Angebote zu Gerichten bzw. Speisen der Region in Anspruch nimmt, um dem „Outdoor-Küchen-Einerlei“ auch mal was Anspruchsvolles entgegen zusetzen. Die regionalen Speiseangebote, die schwimmen unter unserem Kanu im See herum. Da wir uns vorsorglich in den Besitz einer Angellizenz gebracht haben, gehen wir gen Sonnenuntergangszeit auf Fischzug.

 

Als zuverlässige Fangmethode hat sich u.a. das Schlepp-Angeln bewährt. Deshalb pirschen wir bei Dämmerung in aller Stille auf norwegischen Hoheitsgewässern mit unserem Kanu, in gebührlicher Entfernung einen „fängigen“ Wobbler hinterher schleppend. In der Bucht, unweit der „Finnvikneset“, biegt sich die Angelrute, was auf einen Biss oder einen so genannten „Hänger“ hindeutet. Beim Einholen des Köders zeigt sich jedoch, dass es sich eindeutig um einen Biss handelt. Der Widerstand des Fischs, vermutlich ein Hecht, wird immer heftiger je näher wir ihn zum Kanu bringen. Seine bevorzuge Fluchtrichtung ist selbstverständlich nach unten ins Tiefe, die dosierte Bremse der Angelrolle gibt dem Fisch dazu auch den notwendigen Spielraum. Um es kurz zu machen; nach fairem Kampf blieb der Fisch am Leben und wir behielten den Wobbler, der offensichtlich nicht so fest im Fischmaul saß wie er's sollte. So ist es eben beim Fischen und Jagen. Dafür gab es zum Abendbrot aus der Outdoor-Küche einen leckeren Wildgulasch mit Reis.

 


zufrieden, entspannt, glücklich

Das Donnern eines nahenden Gewitters und aufs Zelt prasselnde Regentropfen wecken uns am Morgen des 4. Paddeltages. So richtig wohl fühle ich mich nicht, wenn sich das Camp auf einer Insel befindet und das Wetter mit Gewitter oder starkem Wind und hohen Wellen aufwartet. So schön auch das Insel-Feeling sein mag, so ein bisschen ist es dann wie „darauf eingesperrt“ zu sein bzw. bei einem „Ausbruch“ lauern Gefahren. Das Gewitter kommt jedoch etwas halbherzig daher und bald scheint wieder die Sonne. Dennoch hat es aufgefrischt und Wolkenbild sowie Windrichtung haben sich verändert. Ein Wetterwechsel steht vermutlich an. Um die Tour abzurunden, wollen wir aber auch noch bis zum Södra Kornsjön vorstoßen. Dazu brechen wir unser Lager ab. Paddeln mit dem beladenen Kanu erst mal zurück zum Kornsjö-Kiosk, um von dort mit dem Auto zum südlichen See umzusetzen.
Ein etwa 3 km langer Kleinfluss, der auf dem mir vorliegenden Kartenmaterial namenlos ist, verbindet den Mellan und den Södra Kornsjön. Das Wasser fließt über einen Höhenunterschied von 5 m zwischen den Seen in Richtung Süden ab.

 


the „No name river“

Zunächst erkunden wir das Terrain und beschließen, dass ich den Fluss solo paddle. Karin fährt inzwischen mit dem Auto zur Brücke an der Straße 164 und wartet dort, um bei meiner Ankunft mit Dascha ins Kanu zu zusteigen.
Ungefähr einen Kilometer hinterm Mellan Kornsjön kommt ein verblockter und bei Niedrigwasser nicht befahrbarer Flussabschnitt, der an einer Stau- bzw. Felsstufe endet. Spätestens hier muss umtragen werden. Die Portagestrecke, auf einer mit dem Bootswagen gut befahrbaren Schotterpiste, beträgt maximal 500 m.

 


Einsetzstelle am Stau Richtung Södra Kornsjön

 


solo auf dem „No name river“

Danach geht es zunächst gut paddelbar weiter bis die Strömung 600 m vor einem Wehr fast zum Erliegen kommt. Eine Gasse ist für die 20 m lange Umtragung über einen Felsen für Paddler ausgewiesen. Die Straßenbrücke an der 164 eignet sich auch als Einstiegsstelle für diejenigen, die die Tour in Süd-Nord-Richtung paddeln wollen. Der Södra Kornsjön empfängt uns mit ordentlicher Welle, da der Wind genau in Seelängsrichtung von Süden her bläst. Erst einmal kommen zwei Abschnitte, die mit Buchten und Inseln nicht so zergliedert sind wie auf den beiden anderen beiden Seen. Laut Karte ändert sich das aber wieder im südlicheren Seeteil. Soweit kommen wir aber nicht, denn das windige Wetter zwingt uns zur Umkehr.

 

Zufrieden verpacken wir unsere Ausrüstung, laden das Kanu aufs Autodach und reisen noch einige Kilometer auf der Suche nach einem schönen Campingplatz für die restlichen Urlaubstage. Irgendwie sind wir nach der 6-tägigen Fjällwanderung, der Wildniswoche im Glaskogen und der 4-Tage-Kanutour im schwedisch-norwegischem Grenzland so ein bisschen „abenteuersatt“ geworden. Die Erlebnisse dieser Touren werden uns Kraft bis zum nächsten Nordlandabenteuer geben.

Infokasten

Reiseland

Schweden und Norwegen

Provinzen

Västra Götalands Län (S)
Østfold fylke (N)

Schwedische Landschaften

Bohuslän (S)
Dalsland (S)

Kommunen

Dals –Eds KN, Munkedals KN, Tanums KN in Schweden, Strömstads KN in Norwegen

Seengebiet

Kornsjöarna (Norra, Mellan und Södra Kornsjön)

Landschaftsbeschreibung, Relief

die langgestreckte Seenkette verläuft in Nord-Süd-Richtung (auch Gefällerichtung) und liegt in einer leicht hügligen Landschaft mit geschlossenem Kiefern- und Fichtenwald, sehr vereinzelt Vieh- und Futterweiden, relativ dünnbesiedelt

Tourlänge/Tourdauer

ca. 28 km bei direkter Nord - Süd – Durchquerung, wenn das zergliederte Seengebiet erkundet wird etwa
5 – 6 Paddeltage

beste Reisezeit

Mitte Mai bis Ende September

Kartenmaterial

LANTMÄTERIETS TERRÄNGKATRA, 9B NV DALS – ED (1 : 50.000), für den Norra Kornsjön kann eine zweiteilige Seenkarte im Forma DIN A 4 am Kornsjö-Kiosk erworben werden, das Seengebiet ist auch im Kanuatlas „Dalsland – Nordmark“ (1:100.000) enthalten

Start- / Zielpunkte

z.B. Kornsjö – Kiosk an der Straße 166 oder an der Straßenbrücke der 164 nördl. des Södra Kornsjön
(es bieten sich bei entsprechendem Studium der Karten noch zahlreiche andere Möglichkeiten an)

Versorgung/Einkauf

kleiner Lebensmittelmarkt im norweg. Ort Kornsjö oder gegenüber am Kornsjö – Kiosk auf schwedischer Seite (nur Imbissangebot)

Links

http://www.kanotguiden.se/dalslt/kornspr.htm
(ansonsten gibt es da nicht all zu viel)

Anreise

aus südlicher Richtung von Göteborg über die E 6 bis Uddevalla, weiter auf der 172 bis Bäckefors und dann auf der 166 über Ed nach Kornsjö (Norra Kornsjön)

 

(Touren)