Mit dem Rucksack durch den Finnskogen

Text und Fotos von Klaudia und Frank Hell

Im Sommer 2009 wollten wir, Frank und Klaudia aus Berlin, unsere Outdooraktivitäten mit einer für uns neuen Variante erweitern, einer Wandertour mit dem Rucksack.

Unsere Wahl ist auf eine Rundtour im schwedisch-norwegischen Grenzgebiet, dem sogenannten Finnskogen, gefallen. Hier waren wir etwas dichter an der Zivilisation als im hohen Norden, so dass ein Abbruch der Tour im Falle von Problemen eher möglich gewesen wäre. Das Gebiet des Finnskogen befindet sich sowohl in Schweden als auch Norwegen und erstreckt sich nördlich von Charlottenberg bis Trysil am Klarälven.

Geschichtlicher Hintergrund

Finnskogen bedeutet Finnenwald und wurde im 16. und 17. Jahrhundert von Finnen besiedelt. Der König Karl IX. bot den Finnen Steuerfreiheit für einige Jahre im Gegenzug für die Brandrodung und landwirtschaftliche Besiedlung der großen Waldgebiete Värmlands an. Die Finnen bedienten sich hierbei einer besonderen Technik. Sie säten in die noch warme Asche eine spezielle Roggenart aus, welche hohe Erträge lieferte. Die Häuser dieser Siedler weisen eine Besonderheit auf: Sie wurden ohne Schornstein gebaut! Es handelt sich um sogenannte Rauchkaten. Im 19. Jh haben übrigens 98 % der Bevölkerung diesen Landstrich verlassen.

Skizze des Wanderwegs

Die Tour war ca. 80 km lang und führte uns zunächst entlang des Finnskogsleden, bog dann in Rotberget nach Norwegen ab und führte über Lundersaeter, Skasenden und Svurylla zurück nach Röjdafors. Vorteil hierbei war, dass wir keine zusätzlichen Transporte organisieren mussten und wieder bei unserem Auto ankamen.

Start

Wir starteten unsere Tour in Rödjafors nach 4 Tagen Dauerregen! Wie den schwedischen Nachrichten zu entnehmen war, hatten wir die regenreichste Woche Schwedens der vergangenen 10 Jahre erlebt. Ein historischer Moment, auf den wir gern verzichtet hätten.
Aufgrund der Witterungsverhältnisse entschieden wir uns dafür mit Gummistiefeln zu wandern und wasserfeste Sandaletten zur Querung der Furt mitzunehmen.
Unser Auto parkten wir in Rödjafors an der Badestelle und Rasthütte und liefen dann gleich in den Wald, den Hang hinauf. Bald kamen wir nach Purala, einer Finnenkate, wo man im Sommer Kaffe trinken und warme Waffeln essen kann.
Der Finnskogsleden führte zunächst den Hang , einen älteren Kahlschlag hinauf, welcher mittlerweile von Gräsern, Heidelbeeren und Waldhimbeeren erobert wurde. Wir machten einen kleinen Abstecher auf den Moldusen (540 m) mit einem fantastischen Blick über den Röjden. Der weitere Verlauf des Wanderwegs erwies sich als schwierig, da die Regenmassen die Wege zum Teil in Bäche verwandelt hatten.


Blick vom Hang,


Blick auf den Röjden


verregneter Weg

Da wir erst am Nachmittag gestartet sind und es unterwegs wiederholt regnete, beschlossen wir auf einem alten Finnenhof zu übernachten. Am Aborrtjärnsberg befindet sich der alte Hof mit Blick über den Backsjön. Die Finnenhöfe bestehen aus einer Rauchkate als Wohnhaus und diversen Nebengebäuden.
Auf dem Hof findet man ein gute Quelle mit frischem Wasser. Den Rauchofen in der Kate darf man nicht mehr benutzen, aber es gibt einen offenen Kamin an dem man kochen und sich wärmen kann. In der früheren guten Stube kann man Isomatte und Schlafsack ausrollen. In einer Kasse, kann man einen kleinen Obolus zum Erhalt des Gebäudes hinterlassen. Der letzte Besitzer ist in den 60iger Jahren in die USA ausgewandert.

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Abbortjärnsberg

 


in der Abbortjärnsberg-Hütte

Am nächsten Morgen, ging es weiter durch tiefe Wälder mit wechselndem Charakter, mal Heide, mal sumpfig mit Moosen und Farnen . Unser erstes Ziel war die Rasthütte am Svarttjennet. Die Hütte liegt traumhaft am kleineren der beiden Seen. Wenn man genügend Zeit hat, kann man auch gerne diesen Ort zur Übernachtung wählen. Allerdings wäre hier ein Zelt erforderlich.


Svarttjennet

Da es noch relativ früh am Tage war, setzten wir jedoch unsere Wanderung fort. Der Finnskogsleden führte stets an der norwegisch-schwedischen Grenze entlang. Bis zur Quelle war es ein gemäßigter Anstieg, der Weg war klar erkennbar. An der Quelle zweigte der Finnskogsleden ab, während unser Weg den Berg steil aufwärts entlang der Grenze führte.


gut erkennbar die Grenzschneise zwischen Schweden und Norwegen


Hier war kein Weg mehr zu erkennen. Oben ergab sich am Grenzstein eine Abzweigung, welcher wir nach links durch dichten Wald folgten. Die Wegmarkierung war anfangs blau zu erkennen, während sie später sehr schlecht auszumachen war. Teilweise konnten wir die Markierung nur suchen. Hier kamen offenbar nur sehr selten Wanderer vorbei.
Es ging stetig bergab, durch Wald und Moore bis nach Rotberget. Auf der Karte ist im Ort als Übernachtungsmöglichkeit ein Gebetshaus eingetragen. In dem Ort wurde uns eine Übernachtungsmöglichkeit von einem sehr freundlichen norwegischen Ehepaar angeboten, welches uns das Gästezimmer zur Verfügung stellte. Es war eine sehr herzliche Begegnung, welche uns stets in Erinnerung bleiben wird.
Am nächsten Morgen setzten wir die Wanderung bei Sonnenschein fort. Es wurde endlich wärmer, das Wetter besserte sich!
Der Weg führte leicht bergan, stets mit einem fantastischen Ausblick auf den Rotbergsjön. Wir orientierten uns an den teilweise noch vorhandenen blauen Markierungen, welche vor allem an den Steinen zu erkennen waren. Nach dem Überqueren mehrerer Wasserläufe kamen wir durch einen Ort, in dem der Weg vor dem letzten Haus nach links in den Wald führte. Der Wegweiser war nur sehr schwer zu erkennen. Anschließend mussten wir je nach Wasserstand gelegentlich den markierten Weg verlassen und den Spuren der Elche folgen, da wir sonst unweigerlich zu tief versunken wären! Es handelte sich jedoch nicht um nennenswerte Umwege.


Sümpfe

An mehreren Sümpfen vorbei und eine Flussüberquerung weiter, kamen wir an eine Wendeschleife. Zunächst folgten wir an der Wendeschleife der Wegmarkierung, welche sich jedoch bald an einem älteren Kahlschlag unterhalb Kontorpet verlor. Hier haben wir uns rechterhand bergauf halten und kamen auf einem sonnigen Hang an unglaublich leckeren Blaubeeren entlang. Oben angekommen, erwartete uns eine neu erbaute offene Schutzhütte, welche vorzüglich gelegen ist und einen herrlichen Ausblick in die Richtung bietet, aus der wir gerade kamen. Hier stellten wir fest, dass die ideale Variante für den Verlauf der Wanderung eine Übernachtung im Zelt am Svartjännet und in der Hütte hier oben gewesen wäre!


Hütte Kontorpet

Nach einer kurzen Rast folgten wir dem Hang leicht abwärts, teilweise über neue Stege! durch sumpfiges Gelände und hörten schon bald ein leichtes Wasserrauschen. Hier ging es steil bergab über einen Damm hinweg in die nächste kleine Ortschaft. Der Weg führte durch die Ortschaft hindurch, der Schotterstraße folgend vor der Schranke am Ortsende links in den Wald. Von nun an ging es überwiegend bergab hinunter zum Rottnan, welcher hier einen See (den Rotnesjön) bildet, den wir überqueren mussten. Unterwegs hatten wir noch das Glück einen jungen Elch beim Trinken zu beobachten.
Der Zugang zur Furt ist an einer Holzlagerhütte leider nur schwer zu erkennen. Hier haben wir uns links gehalten und den eigentlichen Weg verlassen!
Vor der Überquerung des Rottnan wollten wir uns zunächst den Wasserstand ansehen. Der See ist an dieser Stelle relativ flach und hat in der Mitte eine Insel. Die erste Furt hat eine starke Strömung. Nach der Insel ist der Rottnan bei der zweiten Durchquerung etwas flacher, wenn man sich nach dem Betreten des Sees weiter rechts hält. Bei beiden Passagen war das Wasser mindestens kniehoch.

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Furt am Rotnesjön

Der Wanderweg führte anschließend gut markiert steil bergan. Wir brachten zunächst unsere Rucksäcke völlig erschöpft zur Wanderhütte und begaben uns dann zu dem herrlichen Aussichtspunkt über den Rottnesjön.

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Aussicht auf den Rotnesjön

Bei der Hütte handelte es sich um eine geschlossen Hütte, welche jedoch so voller Mücken war, dass wir unserem Zelt den Vorzug gaben. Hier ergab sich für uns ein Trinkwasserproblem. Wir bereuten es, am Rottnan unseren Wasservorrat nicht aufgefüllt zu haben.
Am nächsten Morgen passierten wir jedoch nach ca. 500 m Wanderweg einen Bach, dessen Wasser gefiltert sehr gut schmeckte. Diese Wassermöglichkeit war auf der Karte leider nicht eingezeichnet.
Der Wanderweg führte zunächst durch Wald, dann auf einer Lichtung an einem alten, noch bewirtschafteten Finnenhof, dem Hytjanstorpet, vorbei. Nach Verlassen der Schotterstraße führte der Weg schlecht markiert, steil den Hang hinauf (entlang der Stromleitung für den Hof). Erst kurz vor dem Gipfel zweigte der Wanderweg links ab und verlief durch wunderschönen alten Wald, voller Moose und Farne! Als nächstes kamen wir am Hof Storberget vorbei und verpassten den Einstieg zum eigentlichen Wanderweg. Wenn man Storberget verlässt und auf dem Waldweg entlangläuft, sollte man kurz nach der ersten Waldwegkreuzung aufpassen und gut hören! Wenn man ein Rauschen vernimmt, ist dies das sichere Anzeichen, den Weg zu verlassen und Richtung Wasser zu laufen. Nach dem Überqueren des Wassers über ein altes, baufälliges Wehr, fanden wir wieder die Wegmarkierung.
Bis Soilla liefen wir auf einem Wanderweg, danach abwechselnd auf Schotterstraßen und Waldwegen bis Skasenden. Unterwegs durchquerten wir ein Moor, welches sehr sonnig lag und daher schon die ersten reifen Moltebeeren lieferte. In Skasenden gab es eine Straße, einen Campingplatz und bei diesem ein Restaurant. Der Besitzer spricht sehr gut Deutsch und konnte uns einiges über die Region erzählen. So erfuhren wir, dass in dem Gebiet noch zwei Wolfsrudel und sehr viele Elche sowie auch einige Bären leben.
Der folgende Abschnitt des Wanderwegs war sehr gut beschildert und führte zunächst sehr steil bergan zum Bratberget einen Höhenweg entlang mit einer herrlichen Aussicht über den See Skasen am Aussichtspunkt Skyfraesetra (ebenfalls ein ehemaliger Finnenhof, von dem nur noch die Steinwälle übrig sind).


Blick auf den Skasen

Bald hörten wir keine Geräusche der Zivilisation mehr und fühlten uns in der Natur sehr wohl. Gegend Abend entdeckten wir auf einer Freifläche zwei weidende Elche, welche jedoch die Flucht ergriffen, bevor wir sie auf einem Foto verewigen konnten.
Hier fanden es auch einen kleinen Wasserlauf mit sandigem Becken vor, welches vorzüglich als Badegelegenheit geeignet ist, wenn man nicht bereits im Skasen baden war.
Kurz nach dieser Begegnung schlugen wir unser Zelt auf und genossen den wunderschönen Abend. Am nächsten Tag lag eine lange Wanderung vor uns. Der Weg nach Svurylla führte leicht und stetig bergab.
An einem Weidezaun fanden wir den Kadaver eines toten Elchkalbes, das offensichtlich am Zaun in die Enge getrieben wurde.
In Svurylla gibt es ein Freilichtmuseum, in welchem man alte Finnhütten anschauen kann (Finnetunet museum). Von einem Einheimischen erfuhren wir, dass hier jährlich am zweiten Wochenende im Juli das Finnskogenfest stattfindet, bei dem die freien Republik Finnskogen ausgerufen wird. Dann werden auch alte Handwerke vorgeführt, eine Schnapsbrennerei ist ebenfalls dabei.
In Svurylla fiel die Entscheidung über den weiteren Wegverlauf. Entweder am See entlang, oder den Parallelweg, welcher mit Auf-und Abstiegen verbunden wäre. Wir entschieden uns aus diversen Gründen für die bequemere Variante. Das Wetter zeigte sich zunehmend schwül und entlud sich kurz hinter Svurylla in einem heftigen Gewitter. Es sollte nicht das Einzige an diesem Tag bleiben! Kurz nach einer kleinen Badestelle am Helgen befindet sich hinter der Wendeschleife eine kleine Wiese, auf welcher man ebenfalls ein Zelt hätte aufschlagen können. Ansonsten wäre dies nicht möglich, da der See von einem Steilufer umgeben ist. Entlang des Waldweges verengten sich die Ufer zusehends. Hinter den Steilhängen windet sich der Rottnan durch ein enges Tal. Kurz danach konnten wir wieder einen Blick auf den Rottnan werfen, welcher nun eine beachtliche Strömung aufwies.
Von Svurylla bis nach Askoberget sind wir den alten Postvegn 14 km entlanggelaufen und haben dabei mehrere alte, verlassene Höfe passiert, welche teilweise noch eingezäunt sind. Von Askoberget nach Nyckelvattnet waren es noch einmal 5 km. Auf dieser Strecke überquerten wir an einem alten Grenzstein wieder die norwegisch-schwedische Grenze. In Nyckelvattnet befindet sich eine schöne Badestelle! Nach dem Bad sind wir noch ca. 1,5 km bis zur nächsten Hütte gelaufen. Da es bereits mehrere Gewittergüsse gab, waren wir froh, endlich eine feste Hütte mit einer Feuerstelle zu finden.
Hier gab es kein Wasserproblem., da die Hütte an einem Bachlauf gelegen ist.


Hütte mit Lagerfeuerstelle im Innenraum

Am nächsten Morgen führte uns der Wanderweg entlang herrlicher Waldwege bis zum See Hallsjön, an dessen Ufer sogar 2 offene Schutzhütten stehen. Der See hat eine hervorragende Wasserqualität. Danach ging es weiter bergan bis zum Knossi. Anschließend führte der Weg an alten, längst verlassenen Höfen vorbei, zuletzt sehr steil bergab zum Röjden, wo er an der Straße beim Fiskecamp für uns endete.


unsere Tourenskizze

Fazit:

Der Wanderweg eignet sich gut für Wanderer, welche gerne durch Wald über hügeliges Gelände laufen und für die das Fjäll nicht unbedingt ein Muss ist.
Unterwegs haben wir drei Elche, mehrere Fasane, Birkhühner, Haselhühner sowie viele andere Vögel gesehen. Die Wälder sind reich an Wildvögeln, welche in unseren Breiten nur sehr selten oder gar nicht mehr anzutreffen sind.
Es war nicht sehr einfach, an Informationen in deutscher Sprache über diese Wandertour zu kommen. Daher haben wir uns auch entschieden diesen Bericht zu veröffentlichen. Es gab einen Hinweis auf norwegisch, wo die Tour teilweise beschrieben wird.

Infos im Internet: http://www.finnskogen-turistforening.no/index.htm

Die Tour wird hier mit einer Dauer von 4 Tagen angegeben, wir haben jedoch 6 Tage gebraucht, da wir den Wegverlauf teilweise suchen mussten und die Wege durch die Nässe teilweise schwer zu passieren waren.
Kartenmaterial sollte man in Morokulien erwerben. Dies ist die Touristeninfo mit den meisten Infos über das Gebiet des Finnskogen.
Karten: Wanderkarte Finnskogsleden midre und das Informationsheft Finnskogsleden. Die Wanderkarte Finnskogen midre ist ausreichend.

Ausflugstip/ Sehenswürdigkeiten im Finnskogen:

Svurylla: Finnetunet museum

Tvällen : hier gibt es die Möglichkeit, sehr gut zubereitete Wildgerichte zu essen ( Fasan, Elch etc.)

Ritamäki: in der Nähe der Straße nach Lekvattnet: ein alter Finnenhof mit dem typischen Gericht der Waldarbeiter: Motti och fläsk (Gericht aus gedämpften Hafermehl mit Speck)

Tipp für eine Tageswanderung: 7 Höfe Wanderung in der Nähe von Ritamäki, Infos in der Touristeninfo

Charlottenberg: sehr gute Einkaufsmöglichkeit für Outdoorbekleidung im dortigen Sportgeschäft in der Nähe des Einkaufszentrums am Kreisverkehr

Über die Autoren

Wir, Klaudia und Frank aus Berlin, lieben den Aufenthalt in der Natur. Nur hier können wir uns richtig entspannen und Kraft für den Alltag sammeln.
Vor 5 Jahren haben wir den Norden als Reiseziel für uns entdeckt. Angefangen haben wir mit einer Kanutour im Seengebiet Dalsland/ Värmland, weitere Touren machten wir im Rogen Nationalpark (Härjedalen) und Ströms Vattudal (Jämtland). Seit vielen Jahren gehen wir im Frühjahr oder Herbst im Elbsandsteingebirge wandern und so ist es nur konsequent irgendwann mit dem Rucksack loszuziehen.
Im Sommer 2009 war es dann soweit wir unternahmen unsere erste Tour mit Rucksack.

 

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