von Peter Peuker


huetteWie wird man eigentlich Jäger? Diese Frage ist sicherlich bewusst oder unbewusst im Kopf, wenn jemand einen Jäger kennenlernt. Natürlich kann ich darauf nur eine Antwort geben, die meinen Werdegang schildert. Machen den Jäger die bestandene Jagdprüfung und der gültige Jagdschein aus? Diese hypothetische Frage lässt sich, so meine ich, leicht beantworten.
Relativ zeitig, ich glaube so ungefähr im Alter von 13 oder 14 Jahren, begann ich mich intensiv für die Natur und insbesondere für den Wald zu interessieren. Dazu gehörte vorallem das aktive Draußensein. Zu Fuß und mit dem Fahrrad bin ich damals in der wald- und seenreichen Umgebung meiner Heimatstadt Strausberg auf Entdeckungstouren gegangen. Von meinen ersten Ersparnissen kaufte ich mir Outdoorausrüstungen wie Fernglas, Jägerrucksack, Messer sowie naturkundliche Fachbücher und Erzählungen.
Auf meinen Unternehmungen war ich draußen meist allein unterwegs und konnte dadurch alles besonders intensiv wahrnehmen. Mit der Zeit begriff ich mich nicht mehr nur als außenstehender Naturbeobachter, sondern als aktiver dazugehöriger Teil.
In der Natur aktiv sein; bedeutet Herausforderung und Auseinandersetzung. Diese suchte ich natürlich auch.
Ich engagierte mich im Naturschutz, erlernte einen grünen Beruf in der Forstwirtschaft und bei erfahrenen Jägern das Weidwerk. 1981 legte ich die Jagdprüfung ab.
In Diskussionen wird mir oft die Frage nach der Bedeutung der Jagd gestellt. Die Argumente der Jagdgegner als Argumentationsgrundlagen zu nutzen; ist nicht angebracht, weil diese eben von Jagdgegnern in derem Interesse gebraucht werden und somit nicht objektiv sind.
Die Interessen von Grundeigentümern, land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen, Naturschutzverbänden, streckeTourismusvereinen, Reitern, Bikern, Joggern, Hundehaltern, Jägern und anderen, treffen bei der Nutzung von Natur und Landschaft aufeinander. Konfikte treten dabei unausweichlich auf und besonders die Jagd hat gegenwärtig viele Kritiker gefunden. Fehlender Sachverstand und Polemik, die in dieser Auseinandersetzung zu finden sind, werden keinen konstruktiven Beitrag zur Konfiktlösung leisten. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist gegenseitige Akzeptanz, Sachlichkeit und Kompromisbereitschaft, um Problemlösungen zu finden.

Die Bedeutung der Jagd in der Gegenwart würde ich in den folgenden Thesen zusammenfassen:

  1. Die Jagd ist eine nachhaltige Bewirtschaftung, der in Natur und Landschft vorkommender Wildtiere, um das Wildbret für die menschliche Ernährung zu nutzen. Vom Jäger wird dabei ein außerordentliches Maß an Verantwortung und Achtung gegenüber der jagbaren Tiere erwartet.
  2. Das Fehlen von Kosumenten 2.Ordnung in der Nahrungskette, wie z.B. Wolf und Bär, erfordern die Regulation vorkommender Wildtierbestände durch die Jagd mit den Zielen, deren Population auf ein dem Ökosystem verträglichen Maß zu erhalten. Unbestritten ist dabei die Tatsache, dass die Jagd in den zurückliegenden Jahrhunderten selber einen entscheidenden Beitrag zum Verschwinden einheimischer Beutegreifer geleistet hat. Die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland, die in der Lausitz seit einigen Jahren stattfindet, verfolge ich mit Interesse und stehe dem postiv aufgeschlossen gegenüber.
  3. Durch intensive Bewirtschaftung sind sehr gute Lebensbedingungen für einige Wildtierarten entstanden und führte zu hohen Wildtierbeständen. Bei der Bestandesregulation durch die Jagd erfolgt eine Selektion, bei der die Erhaltung bzw. Widerherstellung gesunder Tierpopulationen im Vordergrund steht.
  4. Die Jagd leistet einen wichtigen Beitrag beim Naturschutz. Hier möchte ich beispielhaft die Bejagung der Einwanderer Waschbär und Maderhund ("Enok") nennen. So hat sich z.B. der nichtheimische Waschbär seit dem Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland ausgebreitet und stark vermehrt. Er findet hier gute Lebensbedingungen und es gibt keine natürlichen Feinde, die seinen Bestand beeinflussen. Viele Jahre habe ich in einem bekannten Naturschutzgebiet in Ostbrandenburg zahlreiche Waschbären gefangen, die dort u.a. sehr aktive Nesträuber sind.
  5. Bei der Nutzung unserer Kulturlandschaft finden ständig Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren statt. Die Jagd steht vor der schwierigen und verantwortungsvollen Aufgabe, Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft zu vermeiden und zu bekämpfen. In Siedlungsgebieten verursachen vorallem Wildschweine und Waschbären Schäden in Grünanlgen und in Gärten. Die untere Jagdbehörde hat z.B. blaeserfür die Stadt Strausberg Sonderjagd-genehmigungen ausgegeben, weil die Wildschweine in den Grünanlagen im Stadtgebiet enorme Schäden verursachen.





Gegenwärtig nutze ich sehr viel mehr Möglichkeiten der aktiven Auseinandersetzung in der Natur. Trotzdem ist die Jagd dadurch für mich nicht in den Hintergrund gerückt oder unwichtiger geworden, sondern ein bedeutender, dazugehöriger Teil dieser aktiven und verantwortungsvollen Auseinandersetzung geblieben.

(Wald und Jagd)