von Karin Simke


Heute ist unser letzter Ferientag. Wir haben Anfang Februar. Seit etwa 6 Wochen liegt Schnee und die Temperaturen sind nicht mehr ganz so sibirisch wie in der vorigen Woche (um -20°C), sie tänzeln immer ein wenig um den Gefrierpunkt; uns gefällt der Winter so.
Der Boden ist unter dem Schnee etwa 25 cm tief gefroren. Woher wir das wissen? – Ihr sollt es erfahren.

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Die weiße Winterpracht zieht den Jäger magisch in seine „Waldjagdgründe“, das habe ich längst gelernt. So werden die Wanderungen im Wald stets mit einer Kontrolle der Hochsitze und Kirrungen (Futterstellen für das Wild) verbunden. Im Schnee lassen sich alte und frische Fährten des Wildes leicht ausmachen und die Chancen auf Jagderfolg stehen recht gut. In den vergangenen Wochen hat Peter mehrere Wildschweine, 2 Rehe und einen Fuchs zur Strecke gebracht. Der so genannte „Abschussplan“ für das laufende Jagdjahr (von April bis März des Folgejahres) in unserem Jagdgebiet ist damit jedoch noch immer nicht erfüllt.

„Es ist etwas passiert“ – mit diesen Worten kam Peter heute Nachmittag aufgeregt aus dem Wald nach Hause. Unsere beiden Hunde Dark und Dascha waren im Wald, wie immer, dabei. Zurück kam er jedoch nur mit unserer 4 Monate alten Westsibirischen-Laika Dascha.

„Dark sitzt in einem Fuchsbau fest.“

Welche Gedanken schossen mir dabei im Eilzugtempo durch den Kopf:

  • Peter hat Dark im Wald allein zurück gelassen!
  • Dark ist nicht das erste Mal in einem Fuchsbau; bisher ist er immer allein herausgekommen. Jetzt sitzt er aber schon über anderthalb Stunden im Bau fest.
  • Darks Beweglichkeit ist seit seiner Bandscheibenoperation (er hatte die Dackellähme) teilweise eingeschränkt.
  • Es darf ihm nichts passieren. Er ist seit vielen Jahren ein ganz selbstverständliches Familienmitglied.
  • Wie sollten wir es den Kindern, Eltern, Bekannten sagen?
  • Wer, wenn nicht Dark sollte auf der Jagd künftig die Nachsuche machen?

und so fort…

Wir müssen es schaffen!

Um Dark zu retten, den sein Jagdtrieb zu einem Fuchs gelockt hat, ziehen wir los. Er ist gefangen, mehrere Meter in einer engen Röhre, unter dem gefrorenen mit Schnee bedeckten Boden.

Spaten, Axt, Spitzhacke,Säge – wir fahren damit hinaus in den Wald.

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Der Eingang des Fuchsbaus liegt unter dem Wurzelteller einer umgestürzten Kiefer. Wir leuchten mit der Jagdlampe in den Bau und sehen, dass der Gang bereits nach ca. 80cm einen scharfen Bogen nach rechts macht und uns dadurch die Sicht ins Innere genommen wird. Wir rufen nach Dark, geben das ihm bekannte Kommando „hier ran!“. Wir hören ihn bellen, jedoch schon ziemlich schwach.Vom Eingang aus zu graben wäre zu zeitaufwendig und Kräfte zehrend. Wir suchen oberhalb die Stelle, an der das Bellen am lautesten hörbar ist. Diese liegt gut 3 m vom Eingang des Baus entfernt.

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Dann lässt Peter keine Zeit mehr verstreichen. Er kratzt den verharschten Schnee weg, hackt ausdauernd den harten Boden auf und arbeitet sich Zentimeter für Zentimeter nach unten. In etwa 25cm Tiefe ist der Boden nicht mehr gefroren. Zwischendurch rufen wir nach Dark, der antwortet jedoch nicht mehr. Es ergreift uns eine unbestimmte Panik.

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Peter hat endlich den Durchbruch zur Röhre des Fuchsbaus geschafft. Boden ist in die Röhre gestürzt. Mit den Händen schaufelt er im Eiltempo den Boden aus dem Loch und kann Dark am Schwanz zu fassen bekommen – wie Gold richtig doch die ausgesuchte Stelle war!!!. Nun liegt unser kleiner „Erdwurm“ über und über mit Sand verdreckt für einen Augenblick benommen im Schnee.Dann steht er auf, schüttelt sich und tut so, als möchte er an diesem Tag noch weitere Abenteuer bestehen.

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Wir sind glücklich, die Rettungsaktion hat ein gutes Ende genommen. Sicher sind wir uns aber auch, dass unser Dark jederzeit wieder in einen Fuchsbau einschliefen wird, ungeachtet seines körperlichen handicaps und schlechter Erfahrungen. Er bleibt eben ein echter Dackel.

(Wald und Jagd)